{"id":13653,"date":"2014-01-13T10:42:59","date_gmt":"2014-01-13T01:42:59","guid":{"rendered":"http:\/\/tanaka0903.net\/?page_id=13653"},"modified":"2026-07-06T10:10:55","modified_gmt":"2026-07-06T01:10:55","slug":"ein-blatt-auf-vronys-grab","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tanaka0903.net\/?page_id=13653","title":{"rendered":"Ein Blatt auf Vrony&#8217;s Grab"},"content":{"rendered":"<p>e-rara.ch<br \/>\nEin Blatt auf Vrony&#8217;s Grab<br \/>\nSpyri, Johanna<br \/>\nBremen, 1883<br \/>\nSchweizerisches Institut f\u00fcr Kinder- und Jugendmedien SIKJM<br \/>\n[Signatur: SPYRI Blatt:1883e-rara](http:\/\/dx.doi.org\/10.3931\/e-rara-16597)<\/p>\n<pre>\r\nEin Blatt auf Vrony's Grab\r\nErz\u00e4hlung von Anna Spyri\r\n\r\nVierte Auflage\r\nBremen, Verlag von C. Ed. M\u00fcller. 1885\r\n\r\n\r\nSchifflein der Fluth!\r\n\u00dcber ein Kleines -- so ruht\r\nS\u00fc\u00df sich's am heim'schen Gestade.\r\nMeta H.=Schw.\r\n\r\nAls ich in den Septembertagen von den Bergen nach der Stadt zur\u00fcckkehrte, war mein erster Gang hinaus nach dem Krankenhause vor der Stadt, wie auch vor der Abreise das mein letzter Gang gewesen war.  Schon an der Pforte trat mir die wohlbekannte Diakonissen entgegen und, nach der nahegelegenen Kirche hinwiesend, sagte sie: \"Sie schl\u00e4ft schon dr\u00fcben.\"\r\nIch fragte nach der Nummer des Grabes; ich wu\u00dfte, da\u00df dieses Grab von keiner Hand der Liebe geschm\u00fcckt oder auch nur bezeichnet worden war, und ging nach dem Gottesacker hin\u00fcber. Da lag die freidliche St\u00e4tte. Die Abendsonne warf ihre letzten Strahlen auf den gr\u00fcnen Grabh\u00fcgel, und dr\u00fcben leuchteten die Schneeberge wie ehemals, da sie mit mir in der Abendsonne \u00fcber die H\u00fcgel streifte, die nun zur Ruhe gegangen war.  Wie lag damals das Erdenleben so reich vor uns, so weit und voll unbekannter Herrlichkeit! -- Konnten so viele Jahre vergangen sein seit jener Zeit?\r\nMir war, als h\u00f6rte ich die wohllautende Stimme, die nun verklungen, mir noch einmal die Worte singen:\r\n\r\n\"Warte nur, balde, balde\r\nSchl\u00e4ft auch du!\"\r\n\r\nAuf deinem Grabe steht kein Kreuz und Niemand kennt hier deinen Namen, aber f\u00fcr mich kn\u00fcpfen sich reiche Erinnerrungen daran. Ich will ein Blatt auf dein Grab legen: \"Zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'.\"\r\n\r\n\r\nEs steht ein altes Haus neben der kleinen wei\u00dfen Kirche des Bergdorfes, wo ich reichlich zwanzig Jahre gelebt und mit offenen Augen und von ganzer Seele die Herrlichkeit genossen habe, die Gott \u00fcber dieses fleckchen Erde ausgegossen hat.  Dieses alte Haus war das Schulhaus, wo ich mit den Kindern des Dorfes meinem ersten Unterricht empfing, der weniger darin bestand, da\u00df uns gegeben wurde, was wir brauchten, als darin, da\u00df wir nehmen konnten, was wir wollten, und ich wollte wenig.  Wenn ich ungef\u00e4hr wu\u00dfte, um was es sich handelte, damit ich eine ungef\u00e4hre Antwort bereit h\u00e4tte, wenn ich befragt w\u00fcrde, so war ich zufrieden.  Da ich den \u00e4u\u00dfersten Platz auf unserer Bank ganz nahe am Fenster hatte, so schaute ich meistens \u00fcber die gr\u00fcne Wiese hin, wo der Sonnenschein so warm am Boden lag und wo die wei\u00dfen Schmetterlinge so wonnig in die blaue Luft stiegen -- und weiter hinaus nach dem schmalen Wiesenwege, der den H\u00fcgel hinunter f\u00fchrte unter den Eschen durch, wo der Wind so herrlich \u00fcber Einem rauschte.  Wenn man nur darunter st\u00e4nde!\r\nNicht viel tugendhaftere Gedanken bewegten derweilen das Herz der K\u00fcstertochter Veronika, die neben mir auf der Schulbank sa\u00df, \"K\u00fcsters Vrony\" unter uns genannt.  Auch siehatte wenig wissenschaftliche Bestrebungen, dagegen f\u00fcr alles Komische einen besonders offenen Sinn, f\u00fcr dessen Entwickelung sie die Schulstunden verz\u00fcglich geeignet fand.  Ich leistete ihr dabei treulich H\u00fclfe.\r\nSchon ihr Gesicht hatte f\u00fcr mich etwas zu dieser Th\u00e4tigkeit besonders Anregendes.  Es war, als wenn die verschiedenen Theile gar nicht zusammengeh\u00f6rten.  Die grauen Augen sahen Einen durchdringend klug an, indessen die kleine runde Nase einen solchen Ausdruck von Naivit\u00e4t mit sich f\u00fchrte, da\u00df man ihr das \u00c4u\u00dferste in dieser Richtung h\u00e4tte zutrauen k\u00f6nnen, wenn nicht die schelmischen Mundwinkel von unten herauf sich wie dar\u00fcber moquirt h\u00e4tten.  Wir waren nahe befreuendet.  Anschauen konnten wir uns nie, ohne da\u00df uns ein unwiderstehliches Lachen ergriff, theils in Erinnerung dessen, was wir uns mitgetheilt hatten, theils in Ahnung dessen, was wir uns geleich mittheilen w\u00fcrden.  Das brachte in manche Verlegenheit, denn das eine Auge des alten Schullehrers war doch etwa auf seine Schule gerichtet, inde\u00df das andere die Zeitung las.\r\nO welche T\u00f6ne gl\u00fcckseliger Befreiung hatte doch jene Vier-Uhr-Glocke, die t\u00e4glich ersehnte!  Dann ging die Th\u00fcr auf, und hinaus st\u00fcrmten wir in den Abendwind, zu jauchzen und zu lachen endlich in ungehemmten Str\u00f6men.  Am sp\u00e4tern Abend fanden wir uns gew\u00f6hnlich noch einmal zusammen, wenn der Tag sich negte; da hatte Vrony noch einen freien Moment.  Dann rannte ich den H\u00fcgel hinunter.  Auf dem Rasenplatz bei der Kirche erwartete mich Vrony.  Dann kletterten wir auf die Kirchhofsmauer und sprangen auf der andern Seite hinunter auf den Weg und rannten davon \u00fcber dieWiesen nach dem Rasensitz, wo die Eschen rauschten, und der Himmel gegen den Abend golden gl\u00fche.  Dr\u00fcben standen die dunkeln felsenspitzen des Pilatusberges auf dem lichten Abendhimmel, und die H\u00fcgel umher lagen so lockend gr\u00fcn im Abendschein. Dann t\u00f6nte die Betglocke von der nahen Kirche her\u00fcber; wir standen still und lauschten und schauten nach dem verglimmenden Licht fern hinter den felsenzacken.\r\nOft erstaunte mich Vrony an solchen Abenden.  Wenn wir so dastanden, sah ich auf einmal, wie aus ihren Augen ein seltsam warmer Strahl der sinkenden Sonne nachgl\u00fcte, und ein Hauch der Verkl\u00e4rung \u00fcber ihr Gesicht kam, da\u00df mich der Gedanke durchfuhr:  Wenn Vrony ein verlorenes K\u00f6nigskind w\u00e4re!  Wenn dann aber der alte K\u00fcster mit seinen Kirchenschl\u00fcsseln heranrasselte nach dem Verstummen der Betglocke, verwandelte sich pl\u00f6tzlich Vrony's Ausdruck und ganzes Wesen;  sie kehrte sich um und sah ganz gew\u00f6hnlich aus, nur etwas verhaltener Grimm sa\u00df ihr in den Augen.  Schweigend trennten wir uns, wir f\u00fcrchteten Beide den alten wortlosen K\u00fcster.  Vrony folgte ihrem Vater;  es war f\u00fcr sie Zeit, an die Arbeit zu gehen.  Wenn ich dann nach einigen Streisz\u00fcgen durch die D\u00e4mmerung wieder \u00fcber den stillen Wiesenpfad zur\u00fcckkehrte, trat ich noch an das niedrige Fenster der K\u00fcsterwohnung und sah drinnen beim matten Schein der \u00d6llampe den alten K\u00fcster mit seinem grauen, unbeweglichen Gesicht am Webstuhl sitzen, und hinten an der Wand Vrony mit ihrem Spulrad drehend und drehend ohne Unterbrechung, als ob ein inneres feuer die finger und das Rad antriebe fort und fort.\r\nVrony hatte keine Mutter mehr;  sie hatte f\u00fcr sich und den Vater Haus zu halten; daneben mu\u00dfte sie dem alten K\u00fcster und Seidenweber \u00fcberall an die Hand gehen, so auch die kleinen Seidenspulen am Rade drehen, die er in gro\u00dfter Anzahl bedurfte, so da\u00df Vrony noch allabendlich eine gro\u00dfe Aufgabe zu l\u00f6sen hatte, wenn andere Kinder l\u00e4ngst Luft und Leid des Tages verschlafen und vergessen konnten. -- \r\nVrony hatte Character.  Das h\u00e4tte ich zwar damals nicht so zu nennen gewu\u00dft, aber es war die eine Seite ihres Wesens, die mich zu ihr zog; die andere war das Poetische, Phantasievolle, das sie wohl unmittelbar aus der Posie weckenden Natur, die uns umgab, gesch\u00f6pft hatte.  Gewi\u00df war wenigstens in dieser Umgebung der Keim zur Entfaltung gekommen, wie es kaum geschehen w\u00e4re anderswo.  Das kam aber Alles mehr in ihrem Sein und Wesen, als gerade in Worten zum Vorschein;  doch konnte sie etwa auch einmal in Worten heraustreten, aber nur, wenn wir alein waren, wie an jenem fr\u00fchlingsabend, da ich dich herauslockte, gute Vrony!  Ich habe mir das nie verziehen, du aber wohl, du meintest nicht einmal, da\u00df du mir zu verzeihen h\u00e4ttest.\r\nEs var in den ersten Apriltagen;  der f\u00f6hn hatte den letzten hohen Schnee pl\u00f6tzlich weggefegt, und die Sonne lag warm auf den gelben Aurikeln im Garten.  Ich stand am offenen Fenster und schaute nach dem Weg hinunter zur Kirche, den der F\u00f6hn \u00fcber Nacht trockengelegt hatte.  Eben findgen die Sonnabendglocken an den Festtag einzul\u00e4uten;  auf dem nahen Birnbaum sa\u00df eine Amsel und lockte s\u00fc\u00df hinaus in den Fr\u00fchlingsabend -- mich hielt es nicht mehr, hinaus mu\u00dft' ich.\r\nIn wenig Spr\u00fcngen war ich den H\u00fcgel hinabgerannt.  Unter der Th\u00fcr des K\u00fcsterh\u00e4uschens stand Vrony.  Das war mir eben recht.  \"Komm schnell,\" rief ich, \"die Sonne hat den Abhang bei der alten Eiche so sch\u00f6n trocken gemacht und unter der Hecke find die Veilchen hervorgekommen; die wollen wir holen, komm schnell!\"\r\n\"Ich mu\u00df scheuern,\" sagte Vrony mit ziemlich desperatem Ausdruck.\r\n\"Komm nur schnell,\" dr\u00e4ngte ich, \"wir rei\u00dfen die Veilchen mit den Wurzern aus; gleich find wir wieder da!\"\r\nDas war genug.  Hand in Hand rannten wir fort an der alten Scheuer vorbei -- richtig, da lag der gr\u00fcne Abhang ganz trocken in der Abendsonne, und die V\u00f6gel zwitscherten fr\u00f6hlich dar\u00fcber in der alten Eiche.\r\n\"Wir wollen hier auf den Boden sitzen,\" sagte Vrony; mir gefiel der Vorschlag.\r\nDer Abend war wunderbar mild und lieblich; \u00fcber uns ging ein leiser Windhauch durch die Zweige der Eiche, und unter uns rauschte die frische Stille ihre Wellen in's Thal hinab.  Nun ging die Sonne hinter dem fernen Jura hinab, und die Gipfel der Schneeberge vor uns singen an zu gl\u00fchen.  Vrony schaute unverwandt darauf hin.\r\n\"Was glaubst Du, das hinter den hohen Bergen liegt?\" fragte sie pl\u00f6tzlich, und ohne eine Antwort abzuwarten fuhr sie gleich fort: \"Sieh', wie das leuchtet! Ich glaube, dort hinten liegt ein gro\u00dfes, warmes Land, wo immer die Sonne scheint und sch\u00f6ne G\u00e4rten  stehen mit rothen Blumen und goldgelben gro\u00dfen Apfeln.  Einmal habe ich das gelesen.  Dort giebt es keine kleinen H\u00e4user, wie bei uns, und so dunkle Stuben, wo man am Spulrad sitzen mu\u00df.  O, ich wollte, ich k\u00f6nnte gleich dort hin\u00fcber fliegen \u00fcber den leuchtenden Schneeberg, und ich fl\u00f6ge nie mehr zur\u00fcck!\"\r\n\"Das wolltest Du aber dort thun?\" fragte ich.\r\nSie hing mit brennenden Blicke an dem rosig schimmernden Schneefelde und sagte endlich: \"Ich wollte in einem sch\u00f6nen Garten sitzen, wo die fremden Blumen duften, und eine Harfe wollte ich haben, dann w\u00fcrde ich sch\u00f6ne Lieder machen und singen den ganzen Tag.\"\r\n\"Wei\u00dft Du, wie man Lieder macht, Vrony?\"\r\n\"O ja,\" sagte sie, \"wenn ich am Abend so lange in der dunkeln Stube am Spulrad sitzen mu\u00df, dann denke ich an sch\u00f6ne Lieder und  Sonne und Blumen, und dann mache ich Lieder und singe sie inwendig in mir.\"\r\n\"Sag mir eines, Vrony.\"\r\nNun sagte mir Vrony zu meinem Erstaunen ein selbstgemachtes Lied, das mich ganz mitzog, wenigstens der Schlu\u00df, vom \u00fcbrigen Liede wei\u00df ich nichts mehr.\r\nUm Schlusse hei\u00df es:\r\n\r\n\"So eng ist das K\u00fcsterhaus!\r\nVater, ich mu\u00df hinaus!\"\r\n\r\n\"Wie singst Du denn die Lieder?\" frage ich weiter.\r\n\"Jedes hat eine eigene Weise,\" sagte sie, \"aber am Sch\u00f6nsten ist die Weise zu dem Vers von V\u00f6glein, den Du einmal gesagt hast; aber der Vers ist auch sch\u00f6ner als alle anderen Verse, und auch noch sch\u00f6ner als alle Verse im Gesangbuch.\r\n\"Sing' ihn einmal, Vrony.\"\r\nDa sang sie mit sanster Stimme in seltsam r\u00fchrenden T\u00f6nen:\r\n\r\n\"Die V\u00f6gelein schlafen im Walde!\r\nWarte nur, balde, balde,\r\nSchl\u00e4fst auch du!\"\r\n\r\n\"Vrony, was willst Du werden, wenn Du gro\u00df bist?\" fragte ich dann.\r\n\"Ich will gl\u00fccklich werden,\" antwortete sie zu meiner \u00dcberraschung.  Ich dachte, sie w\u00fcrde etwa sagen: \"eine S\u00e4ngerin\" und wollte gleich nachdenken, wie man das machen k\u00f6nnte.  Aber Vrony hatte immer unerwartete Antworten.  Ich glaube, ich sah sie etwa erstaunt an.\r\n\"Ja, ja,\" sagte sie, \"es ist mein gr\u00f6ster Wunsch, ich m\u00f6chte so werden, wie gl\u00fcckliche Menschen sind.  Eine gro\u00dfe Freude m\u00f6chte ich haben in meinem Herzen, die gar nicht mehr vergehen w\u00fcrde!\" --\r\nDie Berge waren verblichen; immer noch schauten Vrony's durstige Blicke nach dem Traumlande hinter den Schneebergen.  Da entdeckte ich auf einmal den Abendstern \u00fcber den dunkeln Tannen vor uns dr\u00fcben am H\u00fcgel, und erschrocken fuhr ich auf:\r\n\"O Vrony, es wird gleich Nacht sein, und Du solltest ja scheuern!\"\r\nEin leiser Schrecken fuhr auch \u00fcber ihr Gesicht; aber er war gleich verschwunden.  Sie stand auf und sagte ruhig:\r\n\"Nun bekomme ich Schl\u00e4ge, wenn ich heim komme, aber hier war's so sch\u00f6n!  Ich will lieber eine Freude und dann Schl\u00e4ge, als gar nichts!\"\r\nWir gingen stillschweigend den Rain hinunter der K\u00fcsterwohnung zu.  Die Veilchen hatten hatten wir ganz vergessen; das war mir gleichg\u00fcltig, aber das machte mich traurig, da\u00df Vrony nun Schl\u00e4ge bekommen sollte, und ich war ja schuld, da\u00df sie fortgelaufen war. --\r\nVrony war zwei Jahre \u00e4lter als ich.  Das nahm man aber nicht so genau in unserer l\u00e4ndlichen Lehranstalt.  Wir traten mit einander aus der Schule, und nun stieg Vrony vom Spulrad empor zum Webstuhl, der gew\u00f6hnlichen Arbeit der Frauen und M\u00e4dchen unserer Gegend.\r\nIch kam vom Vaterhause weg nach der Stadt, um nun auch einmal etwas p\u00fcnktlich, nicht nur ungef\u00e4hr zu erlernen.  Nach einigen Jahren wurde ich noch weiter versatzt nach dem sch\u00f6nen Waadtland, damit die etwas st\u00f6rende Raschheit meiner Natur sich in franz\u00f6sische Grazie verwandeln m\u00f6chte, was nicht ganz gelang.  Als ich nach den bestandenen Lehrjahren in's Vaterhaus zur\u00fcckkehrte, da stand noch der alte Birnbaum an der Gartenhecke wie ehemals, und die Amsel sang darauf; dr\u00fcben leuchtenen die Schneeberge und von der wei\u00dfen Kirche t\u00f6nte die Abendglocke herauf wie ehemals -- aber irgendwie war doch Alles anders.  Die Menschen hatten sich alle ver\u00e4ndert, die einen waren gr\u00f6\u00dfer, die anderen kleiner geworden.  Vrony war ganz verschwunden, kein Mensch wollte wissen, wohin.  Ich h\u00f6rte eine Geschichte, von der Niemand recht wu\u00dfte, wie sie sich zugetragen hatte.  Es war ein junger Zimmermann in's Dorf gekommen, der hatte ein hochfahrendes Wesen und so wilde, schwarze Augen, da\u00df sich Jedermann vor ihm f\u00fcrchtete und ihm aus dem Wege ging, nur Vrony nicht, wie sich bald erzeigte.  Kaum neunzehn Jahre alt, wurde sie eines Morgens dem schwarzen Zimmermann in unserer kleinen Kirche angetraut und zog als seine Frau sogleich mit ihm fort, und kopfsch\u00fcttelnd schauten die Leute ihr nach.  Was ich aber auch weiter gern erfragt h\u00e4tte, es f\u00fchrte zu nichts, Niemand wu\u00dfte Bescheid.\r\nEs folgten nun Jahre, da neue Interessen in mein Leben kamen.  Manches Durchlebte versank und verschwand, und mancher betretene Pfad verlor sich wieder: ich ging meine eigenen, besonderen Wege.  Mit anderen Gestalten fr\u00fcherer Tage war auch Vrony, von der ich nie mehr h\u00f6rte, aus meinen Gedenken fast ganz verschwunden; nur eine Stelle gab es, wo zuweilen die Erinnerung an sie auftauchte: am gr\u00fcnen Abhang unter der alten Eiche. -- Oft schaute ich von jenem H\u00fcgel hinab nach dem Tannengrund, durch den das sch\u00e4umende Bergwasser saine Wellen rastlos dahintrug, ewig wechselnd, ewig dasselbe.  Um goldenen Sommermorgen, wenn ringsum alles Menschenleben noch im Schlafe lag, stand ich schon oben, um die Sonne aufgehen zu sehen, Morgenduft trinkend aus der erwachenden Natur um mich und aus den Ges\u00e4ngen der Odyssee, die ich bei mir trug; und an demselben Tage, wenn die letzten Strahlen der Abendsonne auf den Schneebergen gl\u00fchten, stand ich wieder oben: \"das Land der Griechen mit der Seele suchend.\"\r\nSo war es an einem milden Mai=Abend; von der sinkenden Sonne beschienen lag das Schneefeld der Klariden gl\u00fchend vor mir!  die H\u00fcgel umher standen im ersten Gr\u00fcn, die Amseln sangen s\u00fc\u00dfe Fr\u00fchlingst\u00f6ne \u00fcber mir in den Zweigen, und unter mir sch\u00e4umten die Wasser der Sille, geschwellt vom frischgeschmolzenen Gletscherschnee.  Meine Seele rief wonnetrunken:\r\n\r\n\"Ja, alle Deine Wunderwerke\r\nSind herrlich wie am ersten Tag!\"\r\n\r\nUnd zu der sichtbaren Herrlichkeit stieg vor mir der Reichthum unsichtbarer G\u00fcter auf, die mich begl\u00fcckten, und die ich zu sch\u00f6pfen wu\u00dfte aus allem Geschaffenen an der Hand des Dichterf\u00fcrsten, der mich jenes Wort gelehrt.  Er hatte mich zu Quellen gef\u00fchrt, an denen ich durstig trank und trnkend d\u00fcrstete nach mehr, mit dem Wonnegef\u00fchl, da\u00df die Quellen unersch\u00f6pflich und f\u00fcr jeden Menschendurst gen\u00fcgend seien. -- Ich stand an die Eiche gelehnt; ein Windhauch wehte s\u00fc\u00dfen Veilchenduft daher -- da stand auf einmal Vrony's Gestalt in frischer Erinnerung vor mir, und jener April=Abend tauchte mir auf, da sie neben mir gesessen hatte an dieser Stelle.  Das ist die Freude, die nimmer vergehen kann und immer gr\u00f6\u00dfer wird, die ich jetzt in meinem Herzen habe, sagte ich zu mir, ich m\u00f6chte sie laut in alle Menschenherzen hineinrufen!\r\nGedankenverloren schaute ich nach dem bla\u00dfgolden gewordenen Abendhimmel, als mich ein herannahender Schritt aufweckte.  Ich erkannte in der herankeuchenden Alten die Schneidersfrau, die alte Anne mit der scharfen Nase, die viele Jahre lang des K\u00fcsters n\u00e4chste Nachbarin gewesen war,  und die Vrony und mich jederzeit als ihre nat\u00fcrlichen Feinde betrachtete hatte, weil wir ihr zu viel lachten und nichts als T\u00fccke im Kopfe h\u00e4tten, wie sie sich ausdr\u00fccke.\r\nGleich stieg in mir der Gedanke auf, die k\u00f6nnte was von Vrony wissen, und ich rief ihr zu:\r\n\"Guten Abend, Frau Anne, es freut mich, Euch einmal wieder zu sehen.\"\r\n\"Wohlfeile Freude,\" sagte sie trocken, doch kam sie heran und gab mir die Hand.  Ich fragte sie sogleich, ob sie mir etwas von Vrony sagen k\u00f6nnte.\r\n\"Gewi\u00df,\" sagte sie, \"wir sind wieder Nachbarn.\"\r\nDas machte mir Freude.\r\n\"So erz\u00e4hlt mir doch Alles, was Ihr wi\u00dft,\" sagte ich, \"ich hatte Vrony recht lieb.\"\r\n\"Ja,\" sagte sie ziemlich ver\u00e4chtlich, \"so lange man mit einander in die Schule geht und zusammen die Leute auslacht, hat man sich lieb, aber wenn es dem Einen gut geht, und das Andere steckt im Elend, dann wei\u00df man nichts mehr von einander.\"\r\n\"Im Elend? ist den Vrony im Elend?\" fragte ich \u00fcberrascht.\r\n\"Freilich ist sie,\" sagte die Alte; \"wenn sie auch nichts sagt, so sieht man es ihr genug an; den alten Kopf hat sie immer noch und l\u00e4\u00dft sich nichts sagen, wie da sie ihn nahm.\"\r\n\"Sagt mir, Frau Anne,\" bat ich nun mit gro\u00dfem Interesse, \"wi\u00dft Ihr, wie es kam, da\u00df sie des Zimmermanns Frau wurde?\"\r\n\"Ob ich das wei\u00df?\" sagte sie achselzuckend, und kam dann, wie ich gew\u00fcnscht, in's Erz\u00e4hlen:\r\n\"Ich war ja damals in der n\u00e4chsten Th\u00fcr, ich sah Alles.  Ich habe ihr genug abgerathen, der Zimmermann sah aus wie Einer, dem der B\u00f6se keine Ruhe l\u00e4\u00dft, so wild funkelten seine Augen im Kopf herum; aber er war weit herumgekommen und konnte erz\u00e4hlen wie ein Kalender vom Meere und von den gro\u00dfen Schiffen und von fernen L\u00e4ndern, wo fremde B\u00e4ume stehen und farbige V\u00f6gel drauf sitzen und gro\u00dfe rohte Blumen gl\u00fchen darunter wie Feuer. Wenn er so erz\u00e4hlte, da pa\u00dfte Vrony aber auch auf, als w\u00e4re es Schade f\u00fcr jedes Wort, das daneben k\u00e4me.  Als ich das sah, sagte ich einmal zu ihr: \"Vrony, Du l\u00e4ufst in's Ungl\u00fcck.\"  Da lachte sie laut auf, als ob das ein besonderer Spa\u00df w\u00e4re.\r\n\"Einmal kam ich sp\u00e4t Abends dieses Weges, da stand sie hier unter der Eiche, wo wie jetzt stehen, und schaute ganz stramm gegen den Abendhimmel hin, als s\u00e4he sie etwas Besonderes.\r\n\"Vrony,\" sagte ich, \"la\u00df Du den laufen, oder Du lachst nicht lange mehr!\"  \"Ich will nicht,\" sagte sie, \"ich will hinaus, und er geht weit fort mit mir.\"\r\n\"Vrony hatte immer unn\u00fctzeg Zeug im Kopfe und konnte nicht thun wie die Anderen; so mu\u00dfte sie auch Einen nehmen, vor dem alle Anderen liefen.\"\r\n\"Wo gingen sie denn hin mit einaner?\" fragte ich.\r\n\"Das kann ich nicht sagen,\" fuhr die Alte fort, \"aber nach einigen Jahren waren sie auf einmal wieder da, und unversehens waren wir wieder Nachbarn im Dorf dr\u00fcben.\"\r\n\"Wie lebt Vrony jetzt? Sieht sie noch aus wie fr\u00fcher?\"\r\n\"Nein, lange nicht, und wie sie lebt, wei\u00df ich wohl, wenn sie schon nichts sagt.  Wenn der Zorn in den Mann f\u00e4hrt, so haut er Alles nieder und seine Frau zuerst.\"\r\n\"O, wi\u00dft Ihr denn das bestimmt?\"\r\n\"Bestimmt genug, wenn man gesehen hat, was ich gesehn habe.  Als ich einmal ein Jammergeschrei dr\u00fcben h\u00f6rte, lief ich hin, um zu sehen, was es gebe.  Als ich die Th\u00fcr aufmachte, ri\u00df sie mir von innen der Zimmermann aus der Hand und lief an mir vorbei hinaus; aus seinen Augen kam's wie H\u00f6llenfeuer.  Drinnen sa\u00df Vrony am Tisch, den Kopf auf die Hand gest\u00fctzt und von der Stirn tr\u00f6pfelte das Blut herunter: sie war todtenbleich und sagte kein Wort.  Am Boden neben ihr sa\u00df ein kleiner Junge und schrie aus Leibeskr\u00e4ften.  Vrony wollte mich nicht sehen, ich sah es wohl; ich machte die Th\u00fcr wieder zu und ging fort; und seitdem wei\u00df ich wohl, was dr\u00fcben vorgeht, wenn das Jammergeschrei ert\u00f6nt.\"\r\n\"H\u00e4lt denn Vrony dem Allen immer still?\"\r\n\"Nicht immer, einmal war sie verschwunden und kam drei Tage nicht mehr zum Vorschein. Am vierten Abend sah ich sie zur\u00fcckkehren in der D\u00e4mmerung, sie sah mich nicht.  Sie kam leise und matt herangeschlichen.  Das war nicht ihr alter Schritt, sie hob den Kopf auch nicht auf, es sah aus, als sei etwas gebrochen in ihr.  Vrony war immer halsstarrig und hatte nie guten Rath annehmen wollen; aber wie ich sie so leise auf ihre Leidensst\u00e4tte zur\u00fcckschleichen sah, da scho\u00df mir doch das Wasser in die Augen. -- Gute Nacht!\" sagtedie alte Anne pl\u00f6tzlich und lief den H\u00fcgel hinab.\r\nIch war wie von einem Schlage getroffen.  Wie nach einem Rettungsbalken, am dem ich mich wieder aufrichte, suchte ich nach dem Reichthum in meinem Innern, an dem ich mich so kurz vorher so hoch gefreut hatte; da sollte doch auch eine H\u00fclfe, ein Trost zu finden sain f\u00fcr Vrony, den ich ihr so gern geben wollte.  Aber nach welchem Tropfen in meinem Freudenbecher ich auch greifen wollte, mir war, als k\u00f6nnte keiner, keiner von allen die rechte Erquickung bieten.  Eind unaussprechliches Weh kam \u00fcber mich; ich sa\u00df an der Eiche nieder und weinte. --\r\nAls ich lange nachher die Stelle verlie\u00df, stand der Abendstern \u00fcber den dunklen Tannen, ganz so, wie er dort gestanden hatte, als neben mir in Vrony's laechtenden Kindesaugen das Verlangen nach den unbekannten Herrlichkeiten der kommenden Tage gegl\u00fcht hatte.\r\nWeshalb ich damals Vrony nicht aufgesucht habe?  Als ich an jenem Abend an der Eiche weinte, war das nicht nur um eines vor\u00fcbergehenden Mitleids willen, was ich f\u00fcr Vrony empfand, sondern weil eine dunkle Macht an mich herantrat in diesem Leiden, gegen die ich keine Wehr mehr hatte.  H\u00e4tte ich auf jene St\u00e4tte des Elends mit der Odyssee in der Hand treten k\u00f6nnen und das zerschlagene Leben mit homerischer Heiterkeit aufwecken?  So verdreht war ich nicht.  Ich konnte damals nicht zu ihr gehen!\r\nNoch manchmal sah ich den Abendstern \u00fcber jenen dunkeln Tannen leuchten in den folgenden Jahren; an manchem stillen Abend stand ich auf dem H\u00fcgel und schaute nach der sinkenden Sonne.  Manchen tiefen Kampf, den ich nicht vor Menschenaugen auszuk\u00e4mpfen vermochte, brachte ich auf die stille St\u00e4tte, und manche Stunde nagender Unruh wurde unter der schweigenden Eiche durchgerungen.  Das Sch\u00f6nste, was von verg\u00e4nglicher Herrlichkeit, und das Bitterste, was von Erdenweh in mein Leben gekommen ist, habe ich an jenem stillen H\u00fcgel niedergelegt: so ist er mir zum erinnerungsreichen Grabh\u00fcgel geworden, auf den die Worte eingegraben sind:\r\n\r\n\"Menschlies Wesen,\r\nWas ist's? -- Gewesen!\r\nIn einer Stunde\r\nGeht es zu Grunde\r\nSobald das L\u00fcftlein des Todes d'rein bl\u00e4st.\"\r\n\r\nEs waren reichlich zehn Jahre vergangen, seit ich die alte Anne am H\u00fcgel getroffen hatte; sie lag schon lange unter den Rasen bei der wei\u00dfen Kirche.\r\nIch lebte seit Jahren in der Stadt, wo ich mit  besonderem Interesse des Gedeihen des k\u00fcrzlich gegr\u00fcndeten Diakonissenhauses verfolgte.  Eines Tages sagte mir eine der Schwestern, es sei eine Kranke gebracht worden vom Berge herunter aus de N\u00e4he meiner Heimath.  Ich ging gleich nach dem Krankensaale.  Da sa\u00df auf einem der Betten, an hohe Kissen angelehnt, eine v\u00f6llig abgemagerte Gestalt, so bleich und elend, da\u00df ich erschrak, aber gleich darauf erkannte ich die grauen Augen, die \u00fcber den verlittenen Z\u00fcgen aufleuchteten, da ich mich n\u00e4herte.  Vrony hatte mich auch erkannt.\r\n\"Bist Du's wirklich, Vrony?\" fragte ich, an ihr Bett tretend.\r\n\"Ja, ja,\" rief sie, \"und ich freue mich so sehr, da\u00df Sie kommen.\"\r\n\"Vrony,\" sagte ich und gab ihr die Hand, \"wir wollen uns doch nennen wie ehdem; wir waren ja nahe Freunde.\"\r\n\"Ja,\" sagte sie z\u00f6gernd, \"ich wollte schon gern, aber ich bin so weit unten und -- Du nicht.\"\r\n\"Welche von uns weiter herunter mu\u00dfte, Du oder ich, Vrony, das wei\u00df Gott allein, mich freut es auch, da\u00df ich Dich wieder finde nach so langen Jahren.\"\r\nNun setzte ich mich zu ihr, und wir sahen uns an, wohl Beide ein wenig erstaunt, denn wir waren Beide anders geworden.\r\nVrony's graue Augen hatten ein neues mildes Licht bekommen, und ein veredelter Ausdruck lag auf dem todtblassen Gesicht.  Tiefe Leiden hatten sich in die Z\u00fcge eingegraben, aber nicht sie entstellt.  Ein Hauch stiller Gr\u00f6\u00dfe wehte mich an aus ihrem ganzen Wesen, der mich befremdete und doch bekannt anmuthete, als h\u00e4tte ich immer gewu\u00dft, da\u00df in Vrony etwas K\u00f6nigliches w\u00e4re, es m\u00fc\u00dfte nur erst zur Erscheinung kommen k\u00f6nnen.  Wir sahen uns eine Weile schweigend an, Jedes mit seinen eigenen Gedanken besch\u00e4ftigt, dann sagte Vrony pl\u00f6tzlich:\r\n\"Ich hatte Dein Gesicht nie vergessen, aber ich hatte es nur lachend im Sinn, kannst Du auch noch lachen wie in unseren Schultagen?\"\r\n\"Lachen kann ich wohl noch,\" versicherte ich, \"ob noch so, wie in jenen Tagen unersch\u00f6pflicher Heiterkeit, w\u00fc\u00dfte ich doch nicht,\" und in dem Augenblick, da ich auf die abgezehrte Leidensgestalt vor mir blickte und sie mit dem Bilde voller Leben und Frische verglich, das mir von Vrony in Erinnerung stand, lag mir das Weinen viel n\u00e4her als das Lachen.\r\n\"O, Vrony,\" mu\u00dfte ich ausrufen, meinem gepre\u00dften Herzen Luft zu machen, \"Du bist sehr krank, hast Du schon lange gelitten?\"\r\n\"Seit Jahren,\" sagte sie, \"ich will Dir die Spuren zeigen.\"  Sie entbl\u00f6\u00dfte ihre Arme und den Nacken, \u00fcberall war sie mit offenen Wunden bedackt.  \"So bin ich am ganzen K\u00f6rper.\"\r\nIch konnte lange kein Wort sagen.  Diese sichtbaren Qualen und alle die unsichtbaren dazu, von denen ich wu\u00dfte, da\u00df sie ihr Leben erf\u00fcllten, das Alles zu ertragen sei Jahren -- wo nahm dieses Menschenkind, das vor mir lag, die Kraft dazu her?  Und aus den Augen der Kranken leuchtete eine so warme Freude in all' dem Elend, da\u00df ich endlich fragen mu\u00dfte:\r\n\"Vrony, bist Du gl\u00fccklich mitten in Deinem Leiden?\"\r\nNie habe ich ein Gesicht so voller Sonnenschein gesehen inmitten bitterer Schmerzen!  \"Das bin ich,\" sagte sie, \"ja das bin ich, so recht von Herzen, und ich wollte so gern Dir sagen, warum.  Aber ich wei\u00df nicht, ob Du es verstehen kannst.\"  Sie sah mich forschend an.\r\n\"Ja, Vrony, ich kann es verstehen , ich wei\u00df, wie Du gl\u00fccklich geworden bist,\" konnte ich sie versichern.  Das bewegte sie sehr; es flog eine R\u00f6the \u00fcber ihr blasses Gesicht, dann nahm sie meine Hand in ihre beidem H\u00e4nde und sagte mit bewegter Stimme:\r\n\"O, mu\u00dftest Du auch so weit herunter, da\u00df Du lerntest, was das hei\u00dft:  \"Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir?\"\r\n\"Ja, Vrony.\"\r\n\"Und hast auch Du erfahren und ausrufen k\u00f6nnen:\r\n\r\n\"Mir ist Erbarmung widerfahren,\r\nErbarmung, deren ich nicht werth?\"\r\n\r\n\"Ja, Vrony, ja.\"\r\n\"Und sagst auch Du jetzt mit Deiner ganzen Seele: Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde?\"\r\n\"Ich bete darum, da\u00df ich das von ganzer Seele sagen m\u00f6ge; ich kann von Dir lernen, Vrony, ich glaube, Du kannst das.\"\r\n\"O, ja, o, ja,\" sagte sie mit warmem Blicke.\r\n\"Das kann ich, auch sage ich oft dieses Wort in meinem Herzen, und die Freude quillt mir dann darin auf wie ein frischer Wasserquell.  Nach der Erde frage ich nichts mehr, ich habe keinen Wunsch mehr, als da\u00df die Schmerzen bald mein H\u00fcttlein zerfressen haben, da\u00df ich heimgehen kann zu meinem Herrn, der mir so viel Leid abgenommen und so gro\u00dfe Freude geschenkt hat, da\u00df ich mich immer ganz laut freuen m\u00f6chte.  Ich habe es auch so gut, und nun wird es immer herrlicher!  Zur\u00fcck in's Elend mu\u00df ich nie mehr, denn wo ich noch hinginge, \u00fcberall ginge ich, mich fest an der Hand des Herrn haltend.  Aber ich gehe nicht mehr aus dieses Hause; von diesem Lager aus gehe ich hinauf in den Himmel, aus einer Freude in die andere!\"\r\n\"Vrony, nun ist die Freude in Dein Herz gekommen, nach der Du einmal begehrtest, die nimmer vergeht; wei\u00dft Du das noch?\"\r\n\"O, ja, aber so anders ist sie, als ich ahnen konnte, so viel gr\u00f6\u00dfer und herrlicher!\" --\r\nEs war num Zeit f\u00fcr mich, das Krankenhaus zu verlassen.  Als ich Vrony die Hand reichte, sagte sie noch:\r\n\"Sieh nur, alle Tage macht mir der liebe Gott noch eine neue Freude.  Wie sch\u00f6n war's damals, wie wir als Kinder bei einander sa\u00dfen; und jetzt ist's noch viel sch\u00f6ner!  Kommst Du auch wieder?\"\r\n\"Gewi\u00df, Vrony, recht bald wieder!\" --\r\nVon dem Tage an brachte ich jede im Krankenhaus erlaubte Besuchszeit mit Vrony zu.  Ich traf sie immer in Freude, und doch sah sie von Tag zu Tag gebrechlicher aus.  Die pflegende Schwester sagte mir, eine solche Kranke sei ihr noch nie vorgekommen.  Der Arzt erkl\u00e4re, sie m\u00fcsse die brennendsten Schmerzen ausstehen, sie k\u00f6nnte nur vor\u00fcbergehend Momente der Erleichterung haben; dennoch klage sie nie und auf alle Fragen nach ihrem Befinden habe sie nur Worte des Dankes als Antwort, da\u00df sie freundlich verpflegt werde, da\u00df Jedermann so gut gegen sie sei.  Hatte sie gar gro\u00dfe Schmerzen, so lag sie ganz still mit gefalteten H\u00e4nden da, bis wieder etwas freiere Momente kamen, da sie denn auch gleich wieder der Trost und die Freude aller sie umgebenden Kranken war.  Oft trat dann ihr nat\u00fcrlicher Humor in einer Weise hervor, da\u00df sich \u00fcber all' die bleichen Gesichter eine lang vergessene Heiterkeit ergie\u00dfen konnte.\r\nWir hatten schon manche sch\u00f6ne Stunde mit einander zugebracht, aber immer wu\u00dfte ich noch nicht, wie sie zu dem Reichthum ihres innern Lebens gekommen war, von dem sie oft ganz \u00fcberstr\u00f6mte; oft auch war sie ganz still und bat mich nur, an ihr Bett zu sitzen.  Dann sagte sie wohl von Zeit zu Zeit:\r\n\"Ich kann nur nicht reden vor Schmerzen, aber in meinem Herzen kann ich doch singen:\r\n\r\nIch la\u00df Dich nicht, Du H\u00fclf in allen N\u00f6then!\r\nLeg' Joch auf Joch, ich hoffe doch,\r\nAuch wenn es scheint, als wolltest Du mich t\u00f6dten.\r\nMach's, wie Du willst, mit mir,\r\nIch weiche nicht von Dir!\r\nVerbirg auch Dein Gesicht,\r\nDu H\u00fclf' in allen N\u00f6then,\r\nIch la\u00df Dich nicht! Ich la\u00df Dich nicht!\r\n\r\nDie Kranke hatte dann sehr gern, da\u00df ich ihr das ganze Lied, etwa auch noch andere liebe Lieder vorsagte.\r\nEinmal brachte ich ihr eine Pomerange.\r\n\"O, o,\" rief sie mir entgegen, eh' ich noch recht im Zimmer war, \"wie hatte ich einmal mein Herz daran geh\u00e4ngt, in ein fernes Land zu gehen, wo solche goldene \u00c4pfel an den B\u00e4umen hangen und die Sonne leuchtete auf feurige Blumen, und ein dunkelblauer Himmel dar\u00fcber l\u00e4ge.\"\r\n\"Vrony,\" sagte ich, \"sag' mir einmal, bist Du nicht mit Deinem Manne weit fortgewesen?  Wie war das?\"\r\n\"Nein,\" sagte sie traurig, \"o, nie!  Was hinter mir liegt, ist traurig, soll ich Dir's doch erz\u00e4hlen?\"\r\nDas wollte ich sehr gern. -- Ich h\u00f6rte nun von ihr, da\u00df gleich nach der Trauung ihr Mann sie in eine abgelegene Berggemeinde gebracht hatte, nicht sehr entfernt von unserm Heimathsort.  Dort hatte er ihr bedeutet, sie m\u00fc\u00dften einstweilen da bleiben.  Auf ihre Frage, warum aber nicht gleich abreisen nach dem fernen Lande, von dem ihr der Zimmermann gesagt, dort f\u00e4nde er Arbeit genug, und ihr Leben w\u00fcrde lauter Genu\u00df und Gewinn sein, gab der Mann ihr zur Antwort, erst m\u00fcsse das Geld herbeigeschafft werden.  Das hatte Vrony nicht erwartet, und noch weniger, was nun folgte. Sie war gewohnt zu arbeiten, brachte auch ihre Zeit vom Morgen bis zum Abend an ihrem Webstuhle zu.  Aber der Mann hatte in der abgelegenen Gegend keine Erwerbsquelle.  Von jeher ein leidenschaftlicher Spieler, sa\u00df er bald Tag und Nacht beim Spielen und Trinken, und nach einigen Jahren sah Vrony, da\u00df weder von Ersparnissen noch von Weggehen die Rade sein k\u00f6nnte.  Sie hatte nun einen kleinen Jungen, f\u00fcr den wollte sie wenigstens sorgen und schlug ihrem Manne vor zur\u00fcckzukehren, dahin, wo sie Beide eher Arbeit f\u00e4nden; nicht in ihre Heimath, das h\u00e4tte sie nicht ertragen, aber in die Nachbargemeinde.  Sie kamen zur\u00fcck, aber der Zimmermann suchte keine Arbeit, immer w\u00fcster und roher wurde sein Wesen, immer wilder und gewaltth\u00e4tiger verfuhr er mit seiner Frau; im betrunkenen Zustande war er der \u00e4u\u00dfersten Rohheiten f\u00e4hig.  Vrony hatte sich von aller Welt zur\u00fcckgezogen; ihre stolze Natur erlaubtekeiner Klage laut zu werden.  Aber sie war in einen Zustand der Desperation gekommen, der sie an den Rand des Verderbens brachte.  Sie hatte einmal an unsrem Bergwasser gestanden mit dem Entschlusse, Allem ein Ende zu machen; dann zog sie der Gedanke an der Kind wieder zur\u00fcck.  -- Dann lebt sie wieder in dumpfer Verzweiflung an aller Rettung einige Zeit dahin und lie\u00df Alles \u00fcber sich ergehen -- dann konnte sie's nicht mehr und lief weg;  aber nun wohin?  Sie wu\u00dfte es selbst nicht.  Zwei Tage und N\u00e4chte irrte sie umher, sie wu\u00dfte selbst nicht wie und wo, nur da\u00df sie fortw\u00e4hrend mit sich im Kampfe lag; jetzt wollte sie ein Ende machen mit all' dem Elend, und nun stand wieder ihr Kind vor ihren Augen.\r\nAm Abend des dritten Tages sa\u00df sie todesm\u00fcde auf einem Stein.  Sie hatte keinen Willen mehr, irgend etwas zu thun, auch keinen Wunsch mehr, weder zu leben noch zu sterben; auf der ganzen weiten Erde war kein Mensch, der sich um sie k\u00fcmmerte.  So sa\u00df sie auf dem Stein im dumpfen Gef\u00fchl des Verlorenseins.  Da t\u00f6nte die Abendglocke unserer Dorfkirche zu ihr her\u00fcber.  Das waren wohlbekannte Kl\u00e4nge aus fr\u00fcheren Tagen.  Alte Erinnerungen stiegen in ihrem Herzen auf. Sie sprang auf von ihrem Stein und lief  unaufhaltsam der wei\u00dfen Kirche zu und in die Hausflur des alten Pfarrhauses; und nun stand sie vor dem Pastor, dem milden Manne, der sie einst unterrichtet hatte.  Er empfing sie freundlich, und sie erz\u00e4hlte ihm nun Alles: wie sie erst get\u00e4uscht, dann mi\u00dfhandelt worden sei, wie ihr das fernere Aushalten unm\u00f6glich und bat ihn nun, ihr von ihrem Manne fortzuhelfen.  Der Pastor hatte ihr stille zugeh\u00f6rt, bis sie zu Ende war, dann sagte er, was sie nie vergessen werde, wie sie sagte: \"Vrony, Dein Mann hat gro\u00dfes Unrecht an Dir gethan, Gott wird ihn finden.  Jetzt sucht Er Dich, und da\u00df Du Dich finden l\u00e4ssest, daran ist ihm nun gelegen.  Sieh, Vrony, nicht Deine Manne, Dir selbst mu\u00dft Du nun entlaufen, sonst kannst Du keinem Frieden kommen.\"\r\n\"Das verstand ich nun nicht,\" erz\u00e4hlte Vrony weiter, \"ich sah auch den Pastor erstaunt genug an.\"\r\n\"Gehst Du auch in die Kirche,\" fragte er mich dann, \"und liesest Du etwa in Deiner Bibel?\"\r\nBeides hatte ich seit Jahren nicht gethan; wie sollte ich auch unter die Leute gehen zur Kirche, und warum denn?  Auch die Bibel hatte ich mit allem Guten, das ich je gekannt, lange vergessen.  Ich sagte es dem Pastor ehrlich.\r\nEr sah mich so mitleidig an, dann sagte er: \"Geh' nun heim zu Deinem Mann, und wenn der Zorn bei ihm losbricht, so falte Deine H\u00e4nde und bete immerfort in Deinem Herzen: f\u00fchre uns nicht in Versuchung! Nimm auch Deine Bibel wieder hervor und geh' am Sonntag zur Kirche, Du wei\u00dft nicht, was Du da gewinnen kannst.\"  Dann sagte er mir noch, wenn es mir schwer sei, so solle ich zu ihm kommen, er meine es gut mit mir.\r\nSo entlie\u00df er mich.  Ich war wie verwirrt.  Der Pastor hatte so liebevoll zu mir geredet, er hatte Mitleid mit mir, und doch schickte er mich so bestimmt zu meinem Manne zur\u00fcck.  Zwei Dinge gingen mir besonders nah, und ich wandte sie hin und her in meinem Herzen: da\u00df ich sollte mir selbst entlaufen und nicht meinem Manne, und da\u00df Gott mich suche, mich, von der ja kaum ein Mensch auf Erden etwas wissen wollte -- ach, wie k\u00f6nnte der Herr im Himmel mich suchen!\r\nEs kam so m\u00e4chtig \u00fcber mich, da\u00df mich seit langer Zeit zum ersten Mal wieder das Weinen ankam, und ich weinte den ganzen Weg entlang, bis ich daheim war.\" --\r\nHier mu\u00dfte Vrony innehalten, sie war ersch\u00f6pft, und die Erinnerungen waren ihr zu m\u00e4chtig geworden.  Als ich zwei Tage nachher wieder kam und sie fragte, ob sie mir weiter erz\u00e4hlen k\u00f6nnte, war sie freudig bereit dazu und fing gleich an. Vrony wollte den Rath des Pastors treulich befolgen, aber es wurde ihr nicht leicht.  Schon an jenem Abend, als sie heimkehrte und ihr Mann sie sogleich zu schm\u00e4hen anfing und seinen Zorn mit Mund und Hand an ihr auslie\u00df, da wurde es ihr schwer, leise zu beten: F\u00fchre uns nicht in Versuchung!  Aber sie konnte es und hielt stille.  \"Ach, und viele Tage kamen voll gro\u00dfen Jammers und Elends,\" fuhr sie fort, \"und ich fing an zu verstehen, da\u00df ich mir selbst entlaufen sollte, aber wohin?  Der Pastor hatte mir gehei\u00dfen zur Kirche zu gehen; zwei oder drei Sonntage brachte ich es noch nicht \u00fcber mich, unter die Leute zu gehen nach so langer Zeit:  Alle m\u00fc\u00dften mich ansehen, dachte ich , als geh\u00f6re ich nicht dahin.  Aber am vierten Sonntag ging ich hin\u00fcber in unsern Heimathsort zu unserm Pastor.  Er predigte \u00fcber das verlorne Schaf, wie der gute Hirte es sucht.  Und wenn es das geringste Sc\u00e4flein seiner Heerde w\u00e4re, dem Hirten w\u00fcrde das Herz brennen, es wieder zu finden.  Und h\u00e4tte er eine ganze Heerde sch\u00f6ner und guter Schafe um sich, er h\u00e4tte keine Ruhe und ginge dem verlornen nach, bis er es wiedergefunden!  Auf einmal hie\u00df es in meinem Herzen: das Schaf bin ich!  das geringe, verlorne Schaf bin ich!  Der Hirte sucht mich, ihm ist an mir gelegen!  Wie eine Tr\u00e4umende kam ich aus der Kirche nach Hause.  Es war ein Lebensquell in meinem Herzen entsprungen.  Wie ein Strom \u00fcberflo\u00df der Trost meine Seele: Einem Hirten geh\u00f6re ich an, Er hat mich lieb, Er kennt mein Verlorensein, Er sucht mich, Er h\u00e4lt mir die Hand entgegen!  Von da an wurde Alles anders in mir.  Immer klarer sah ich, wo ich mir entlaufen mu\u00dfte, aber ich wu\u00dfte nicht wohin, o, und seitdem singe ich ohne Aufh\u00f6ren in meinem Herzen:\r\n\r\n\"Ich lag in schweren Banden,\r\nDu kommst und machst mich los!\r\nIch stand in Spott und Schanden\r\nDu kommst und machst mich gro\u00df,\r\nUnd hebst mich hoch zu Ehren\r\nUnd schenkst mir gro\u00dfes Gut,\r\nDas sich nicht l\u00e4\u00dft verzehren,\r\nWie Erdenreichthum thut!\"\r\n\r\nAls Vrony fertig erz\u00e4hlt hatte, faltete sie still die H\u00e4nde, und wir schwiegen Beide lange Zeit.  Dann fragte ich sie noch, woher sie alle die sch\u00f6nen Lieder kenne?  Sie sagte mir, nach jener Predigt habe sie dann auch ihre Bibel hervorgesucht und daneben liegend ein altes Buch gefunden, das sie als kleines Kind in den H\u00e4nden ihrer seligen Mutter gesehen hatte, sie wu\u00dfte nicht, was es war.  Jetzt machte sie es auf und sch\u00f6pfte von da an aus dem alten Liederbuche, wie sie mir sagte, solche Str\u00f6me lebendigen Wassers, da\u00df ihr war, in keinem Elend k\u00f6nnte ihr nunmehr die Erquickung fehlen.\r\nAls ich das n\u00e4chste Mal Vrony besuchte, mu\u00dfte ich ihr sagen, da\u00df ich f\u00fcr einige Wochen verreisen werde.  Ich sagte, ich hoffe sie wiederzusehen, sobald ich zur\u00fcckgekehrt sei.\r\n\"Nein, das hoffe ich nicht,\" sagte sie fr\u00f6hlich, \"sieh mich nur recht an!\"\r\nJa sie hatte wohl Recht, man konnte \u00fcber ihrem heitern Wesen ganz ihre Leiden vergessen, und diese mu\u00dften ja brennend sein in diesem mehr und mehr wunden K\u00f6rper.\r\n\"Ich hoffe, wenn Du heimkehrest, werde ich im Himmel sein, dort werden wir zuerst wieder zusammentreffen; ich m\u00f6chte Dich doch gerne wiedersehen!\"\r\n\"Ja, Vrony, dann auf Wiedersehen!\"\r\nAls ich zur\u00fcckkam nach drei Wochen, da schleif Vrony drau\u00dfen unter dem Rasenh\u00fcgel und alles Weh war f\u00fcr sie vor\u00fcber. --\r\nIn der wei\u00dfen Kirche des kleinen Bergdorfes ist seit einiger Zeit allsonnt\u00e4glich ein Mann zu sehen, immer in derselben Ecke, weit hinten, halb versteckt -- es ist der rohe Zimmermann.\r\nVrony hat es nicht mehr erlebt, aber es ist ihr Werk.\r\nDrau\u00dfen auf dem H\u00fcgel ist die alte Eiche umgehauen worden, aber im April duften die Veilchen unter der Hecke, und der gr\u00fcne Abhang liegt still und lieblich in der Abendsonne wie vor zwanzig Jahren.\r\n<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>e-rara.ch Ein Blatt auf Vrony&#8217;s Grab Spyri, Johanna Bremen, 1883 Schweizerisches Institut f\u00fcr Kinder- un &hellip; <a href=\"https:\/\/tanaka0903.net\/?page_id=13653\" class=\"more-link\">\u7d9a\u304d\u3092\u8aad\u3080 <span class=\"screen-reader-text\">Ein Blatt auf Vrony&#8217;s Grab<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":29540,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-13653","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13653"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13653\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16244,"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13653\/revisions\/16244"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/29540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tanaka0903.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}